Was tun bei Bahnstreiks, Zugverspätungen oder Zugausfällen?

Nutzen Sie Ihre Fahrgastrechte!

Ihre Fahrgastrechte sind grundsätzlich in den Beförderungsbedingungen der Bahn definiert. Nach der Entscheidung des Europäischen Gerichtshof (Aktenzeichen: C-509/11) von September 2013 haben Bahnfahrer die folgenden Rechte im Fall einer Zugverspätung:

  • Sie nutzen eine normale Fahrkarte? Dann erstattet die Bahn:
    • 25% des Preises Ihrer Fahrkarte bei einer Zugverspätung über 1 Stunde
    • 50% des Preises Ihrer Fahrkarte bei einer Zugverspätung über 2 Stunden
  • Sie sind Pendler und nutzen eine Zeitkarte (Jobticket und andere Abos)? Dann haben Sie Anspruch auf eine Pauschalentschädigung pro Verspätung über eine Stunde oder pro Ausfall:
    • von 5 € für Reisende der 2. Klasse, bzw. 7,50 € für Reisende der 1. Klasse für Fernzüge (ICE, IC, EC und ähnliche)
    • von 1,50 € für Reisende der 2. Klasse, bzw. 2,50 € für Reisende der 1. Klasse für Nahverkehrszüge (RE, RB und ähnliche)

    Insgesamt können Sie bis zu 25% des Preises der Fahrkarte erstattet bekommen. Das heißt z.B. 400 € bis 650 € pro Jahr für eine Strecke zwischen Donauwörth und München oder Augsburg.

Informationen zum Ersatz weitergehender Schadensposten (zum Beispiel von Taxi- oder Hotelkosten, Kosten für alternative Transportmittel, usw…) finden Sie auf der Seite des Fahrgastrechte-Servicecenters oder im Zugreiseblog von David Scheibler, der das Thema sehr gut zusammenfasst.

Achtung mit der Verjährung:

Forderungen wegen der Verspätung oder des Ausfalls eines Zuges sind nach einem Jahr ab dem Tag des Ablaufs der Geltungsdauer der Fahrkarte (inkl. Zeitkarte) verjährt. Die 3-jährige regelmäßige Verjährung nach §195 BGB trifft in diesem Fall nicht zu, im Gegensatz zu, was man auf veraltete Seite lesen kann wie hier. Zum Beispiel heißt es:

  • Sie sind mit einem verspäteten Zug am 25. Juli 2014 mit einer einzelfahrkarte gefahren. Sie dürfen Ihre Fahrgastrechte spätestens bis zum 25. Juli 2015 geltend machen.
  • Ihre Jahreskarte fängt am 1. April 2015 und endet am 31. März 2016. Sie dürfen Verspätungen, die während dieses Zeitraums stattgefunden haben, bis zum 31. März 2017 geltend machen.

Die Robin Zug Datenbank filtriert die verjährten Verspätungen aus. Allerdings ist es ratsam so früh wie möglich zu reklamieren, damit keine Forderung verloren geht.

In der Praxis verläuft Ihr Erstattungsantrag leider manchmal so:

  • Für jede Verspätung müssen Sie ein zweiseitiges Formular ausfüllen. Haben Sie diese Methode schon einmal ausprobiert? Es wird Sie Papier, Briefmarken und viel Zeit kosten. Zum Fahrgastrechteformular der Bahn
  • Das Fahrgastrechteformular muss per Post geschickt werden. Es kann nicht per Email oder online versendet werden.
  • Es ist nicht selten der Fall, dass Rückfragen erfolgen oder Belege nachgefordert werden.
  • Liegt Ihr Anspruch auf Erstattung unter 4€ (z.B. Verspätung im Nahverkehr), so erstattet Ihnen die Bahn nichts.
  • Fehlt eine Angabe, so wird Ihre Reklamation wegen Unvollständigkeit abgelehnt.
    • All diese Hindernissen stehen Ihnen nicht im Weg, wenn Sie über Robin Zug Ihre Fahrgastrechte einfordern.